ein sonntag im september.
es ist sehr warm.
wir, vicky und ich, beschliessen nachmittags lässig in unserem viertel spazieren zu gehen.
die letzten herbstsonnenstrahlen zu geniessen.
der stadtteil in dem wir leben, wang jing hua yuan, liegt im nord-osten von beijing.
hier wohnen universitätsangestellte und menschen die in büros arbeiten.
ausserdem hat dieser stadtteil die grösste dichte an südkoreanischen mitbewohnern.
es wohnen also nur menschen hier mit überdurschnittlichem einkommen.
hochhäuser bestimmen das bild.
es werden täglich mehr.
auf den flächen, auf denen diese hochhäuser entstehen standen hütten.
sie wurden bewohnt von einer nicht so einkommensstarken bevölkerungsschicht.
die meisten sind sogenannte "wanderarbeiter" aus den ärmeren teilen chinas die ihr glück in beijing suchen.
um platz für neue betonklötze zu schaffen werden die hütten einfach abgerissen ohne den bewohnern eine ausweichmöglichkeit, eine alternative an zu bieten.
wir schlendern also in den hochhausschluchten umher.
in der nähe unserer betonburg kommen wir an einer solchen, schon "befreiten" stelle vorbei.
von weitem hören wir laute musik.
eher lustig, ausgelassen, pop.
eine band mit sänger.
beim näherkommen sehen wir qualm und es riecht nach gebratenem.
das ganze abrissgelände ist umzäunt mit blauen blechplatten.
eine typische ansicht in beijing.
eigentlich geht man nicht in diese viertel.
wozu auch.
die laute musik und der bratengeruch hat uns aber neugierig gemacht.
durch eine öffnung im blauen wellblechzaun gehen wir auf das gelände.
es stehen noch einige kleine hütten vereinzelt auf dem abrissmorast.
der boden ist eher schlammig und zeigt deutlich spuren von abrissarbeiten.
wir gehen in richtung musik, die sehr laut ist.
unter einer plane wurde provisorisch eine küche eingerichtet.
aus herumliegenden steinen wurde ein grill gebaut.
auf einer grossen propangasflasche kocht erdnussöl in einem wok.
bei der küche eine hütte.
an der hütte angelehnt ist ein blumengesteck aus weissen blüten.
das foto einer älteren frau hängt über dem eingang der hütte.
alle anwesenden sind schwarz gekleidet oder tragen schwarze armbinden.
mir dämmert langsam das es sich nicht um eine lustige party handelt.
aber was macht die band?
sie singt ohne unterbrechung popsongs.
die umstehenden nehmen uns erst nicht wahr.
da ich aber der einzige nichtasiate bin ändert sich das schlagartig.
alle glotzen mich an.
ich fühle mich komisch obwohl mich niemand anspricht vielleicht deswegen.
als die band mich wahrnimmt kippt die situation, für mich.
es wird in meine richtung gesungen.
plötzlich habe ich die aufmerksamkeit auf mich gezogen.
ich weiss nicht wie ich reagieren soll.
störe ich die trauerfeier weil es durch mich keine mehr ist?
erhofft sich die band das der "reiche ausländer" sie toll findet?
soll ich fotografieren was ich sehe, was mich staunen macht?
ich beschliesse zu gehen.
ein starkes unbehagen treibt mich aus dem gelände.
die trauerfeier, die laute musik, ging bis spät in die nacht.